IAMX, NEMO

30.10.2009, Leipzig Club Lagerhof
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Nach fast drei Jahren fand CHRIS CORNER, alias IAMX, den Weg auch wieder nach Leipzig. Mit seinem letzten Album „Welcome Of Kingdom Addiction“ im Gepäck beehrte der androgyne Wahl-Berliner mit der gleichnamigen Tour einige ausgewählte Städte und Locations in Deutschland.

Im Lagerhof in Leipzig sollte das Spektakel um 21 Uhr beginnen und pünktlich betrat dann auch die mitgebrachte Vorband NEMO die Bühne.
Der sympathische Engländer JAMES NEMO tourte bereits 2007 mit CLIENT durch Deutschland aber sein Bekanntheitsgrad ist hier zu Lande wohl eher gering – das merkte man auch an der Reaktion des Leipziger Publikums. Das wirkte zwar nicht uninteressiert, aber ein Funke sprang nicht über. JAMES NEMO machte einen etwas verlorenen Eindruck mit seiner E-Gitarre und nur begleitet von seinem iPod. Grundsätzlich passte das Ganze gut zu IAMX ging aber mehr in Richtung Singer/Songwriter und mit Band kommt da sicher auch mehr Stimmung auf. Die Melodien und vor allem der Gesang waren wirklich gut. Herr NEMO wusste aber wohl selbst, dass die bisher spärlich Anwesenden nicht wegen ihm da waren und verkündete in gebrochenem Deutsch, dass er nun die Bühne für IAMX frei machen würde und wünschte allen Anwesenden viel Spaß. Seinen durchaus verdienten Applaus bekam er aber dann doch noch.

Zu Beginn machte ich mir noch Gedanken ob es denn so gähnend leer bleiben würde – meine Bedenken dahingehend sollten sich aber innerhalb kürzester Zeit in Luft auflösen – denn in der Umbaupause füllte es sich schlagartig. Was mir aber unbegreiflich bleibt ist wieso man zum Abbauen eines iPods und eines Mikroständers geschlagene 45 Minuten brauchen kann und dabei das Publikum auch noch mit einem nicht enden wollenden Pausenfüller-Lied nerven muss. Weil man die Zeit ja irgendwie rumbekommen musste, konnte man sich derweilen noch einmal die Bühne genauer betrachten und man konnte den Eindruck gewinnen, dass gleich eine 1zehnköpfige Truppe aufmarschieren würde – Intrumente die überall auf der Bühne verteilt waren, die für IAMX schon typischen Gitarren und Bassgitarren ohne Stimmwirbel und der Farbgebung des neues Albums angepasst - alles mit rotem Tape beklebt. Die relativ kleine Bühne des Lagerhofs hatte dadurch irgendwie etwas von einer unaufgeräumten Puppenstube.

Nachdem man sich dann doch endlich entschlossen hatte das Konzert zu beginnen, erblickte man dann doch „nur“ die Stammbesetzung der letzten Jahre – JANINE GEZANG, die auf ihre typische Art das Publikum gleich animierte etwas mehr Lärm zu machen. Der Aufforderung kamen dann auch gleich alle nach. TOM MARSH an den Drums und DEAN ROSENZWEIG an Bass/Gitarre bereiteten ihrem „Meister“ den Weg und CHRIS CORNER hatte bereits beim Opener „Kingdom Of Welcome Addiction“ die Leute voll im Griff. Es ist immer wieder verwunderlich und unbeschreibbar wie dieser kleine Engländer die Bühne mit seiner Präsenz ausfüllt und die Leute wahrlich in seinen Bann zieht. Das Publikum feierte bei jedem Song extatisch mit. Das Hauptaugenmerk legte man bei der Songauswahl auf Stücke vom neuen Album – wobei Titel wie „Think Of England“ oder „Nature Of Inviting“ schon voll von den Fans angenommen wurden. Der eigentliche Höhepunkt des Abends war dann aber doch das eher ruhige Stück „Running“ bei dem CORNER mit dem Rücken zum Publikum hockte und sich nur mittels Live-Kamera und Leinwand im Bühnenhintergrund „ins Gesicht blicken“ ließ. Die aufgehängten Glühbirnen hüllten den Raum in einem Moment der Wärme in der aber auch die Zerbrechlichkeit des Menschen hinter dem Künstler offenbart wurde. Der Moment verflog aber ebenso schnell wie er gekommen war und bei den nachfolgenden Stücken wurde auf und vor der Bühne noch mal richtig abgefeiert.

Die Rufe nach einer Zugabe fand ich persönlich dann aber doch etwas spärlich – trotzdem ließ man sich noch einmal zurück auf die Bühne bitten und unter anderem bei "Nightlife" tobte die Menge noch einmal richtig los. Komischer Weise war bei den Zugaben auch plötzlich der Sound perfekt. Quälte man sich vorher mit völlig übersteuerten Tiefen herum schien man doch noch das richtige Knöpfchen gefunden zu haben.
Zum Schluss gab es dann den zwischenzeitlich zur Hymne avancierten Song „President“ und dann war leider schon alles vorbei.

Ein unbeschreibbares Phänomen – es ist fast unmöglich sich dem Charme der Musik und des Musikers zu entziehen. IAMX sind live uneingeschränkt zu empfehlen und ich denke nicht nur ich hoffe, dass man CHRIS CORNER hoffentlich schon sehr bald wieder live erleben kann.



Homepage: www.iamx.eu
MySpace: www.myspace.com/iamx

Eilan  [1.11.09]