Der Täter

JOHN KATZENBACH - Der Täter

DerTäter.jpg

Verlag: Droemer/Knaur
VÖ-Datum: 11.01.2010
ISBN: 3426505347

Alles ist vorbereitet – die Wohnung ist ordentlich, das Geschirr gespült, der Abschiedsbrief geschrieben. Simon Winter, ein ehemaliger Detektive der Miami Beach Police, geht in Gedanken noch mal alle Vorbereitungen durch, bevor er sich an den Tisch setzt, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Er will seinen ehemaligen Kollegen so wenig Arbeit wie möglich machen und ist mit seinen Vorbereitungen zufrieden. Seinem Vorhaben steht nichts mehr im Weg.
Genau in dem Moment, in dem er sich seine Pistole in den Mund schiebt, klopft es energisch an der Tür. Simon kann es nicht fassen. Noch während er überlegt, ob er das Klopfen ignorieren soll, klopft es erneut energisch, fast panisch. Simon Winter beschließt seinen Selbstmord noch ein wenig zu verschieben und öffnet die Tür. Vor ihm steht seine alte Nachbarin Sophie Millstein. Sie ist völlig aufgelöst und berichtet ihm panisch, dass sie jemanden entdeckt habe, der sie töten wird. Aber sie wolle noch nicht sterben. Doch derjenige wird ganz sicher kommen und sie töten. Auch wenn ihm der Zeitpunkt gerade überhaupt nicht recht ist, bittet er Mrs. Millstein in seine Wohnung und versucht sie zu beruhigen. Sie berichtet ihm, dass sie beim Einkaufen den „Schattenmann“ gesehen hätte und er hätte sie auch gesehen. Das würde bedeuten, dass sie bereits tot wäre. Auf seine Nachfrage hin, wieso sie das glauben würde, beginnt Sophie Millstein aus ihrer Jugend zu berichten. Sophie und ihre Familie lebten 1943 als Juden in Berlin. Sie waren untergetaucht und ständig auf der Flucht. Vor allem vor der beinahe schlimmsten Waffe, die die Nazis gegen die Versteckten einsetzten – die so genannten „Greifer“. Juden, die untergetauchte Juden im Auftrag der Nazis aufspürten und auslieferten. Der „Schattenmann“ war einer von ihnen, der Schlimmste. Wer von ihm entdeckt wurde, war schon tot. So erging es auch ihrer Familie. Und jetzt war sie sich sicher ihn hier gesehen zu haben. Er lebte unter ihnen in Miami und er hatte gesehen, dass sie ihn erkannt hatte. Simon Winter gelingt es die alte Dame zu beruhigen, indem er ihr verspricht ihr zu helfen und zu überprüfen ob der Mann, den sie gesehen haben will, wirklich der „Schattenmann“ ist. Er begleitet sie nach Hause und rät ihr, die Wohnung zu sichern. Stunden später ist Sophie tot.
Für den ermittelnden Detektive vor Ort sieht zunächst alles nach einem gewöhnlichen Raubmord aus. Keiner nimmt die Hinweise des alten Nachbarn, Mrs. Millstein hätte heute eine sehr beunruhigende Entdeckung gemacht, ernst. Simon Winter beschließt daraufhin sein Versprechen einzuhalten und herauszufinden, was es mit diesem „Schattenmann“ auf sich hat. So gerät er immer tiefer in die grausame Geschichte aus Verfolgung, Angst und millionenfachem Mord. Bald kommt heraus, dass der „Greifer“ zurückgekommen ist, um die letzten Zeugen seiner Taten zu beseitigen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

„Der Täter“ ist ein spannender Psychothriller für alle, die sich mit der grausamen Geschichte der Judenverfolgung im Dritten Reich beschäftigen. JOHN KATZENBACH gelingt es die Leser von Anfang an eine Beziehung zu den Hauptdarstellern des Buches aufbauen zu lassen, wodurch sie in der Lage sind mit den Opfern, aber auch mit den Polizisten die Geschichte zu durchleben und tief in die unfassbare und grausame Vergangenheit der Überlebenden einzutauchen. KATZENBACH zeigt auf, wie schwer es für die Überlebenden und deren Angehörige ist, mit dem Erlebten weiterzuleben und um wie viel schwerer es für alle anderen ist, das Grauen auch nur im Ansatz zu begreifen. Er widmet sich einem Thema, von dem man nicht oft hört – dem Thema der so genannten Greifer. Juden, die – oft in der Hoffnung sich und ihre Familien retten zu können – mit der Gestapo zusammengearbeitet haben.
Gleichzeitig zeigt KATZENBACH die noch immer bestehende Problematik der Rassenfrage in den USA auf.
Punktabzug erhält JOHN KATZENBACH dafür, dass er im Bezug auf die am 15. September 1935 verkündeten so genannten "Nürnberger Rassengesetze" nicht richtig recherchiert hat – so trifft seine Aussage über die Gefährdung so genannter „Mischlinge zweiten Grades“ mit nur einem jüdischen Großelternteil nicht in dem von ihm angegebenen Maße zu. Sie wurden zwar auch gedemütigt und schikaniert, doch galten für sie nicht die gleichen Gesetze wie für so genannte „Voll-Juden“ und „Mischlinge ersten Grades“. „Mischlinge zweiten Grades“ mussten zum Beispiel keinen Stern tragen, durften Ehen mit „arischen“ Deutschen eingehen und waren von den Verfolgungen und Deportationen nicht in gleichem Maße betroffen, sondern oft sogar ausgeschlossen, da das in ihnen „enthaltene kostbare arische Blut“ erhalten werden müsse. Urgroßeltern galten im Bezug auf die Rassengesetze als zu vernachlässigen.
Einen weiteren Punktabzug gab es von mir dafür, dass sich JOHN KATZENBACH ab und an in Beschreibungen wie zum Beispiel von Räumlichkeiten verliert.
Trotz allem ist „Der Täter“ ein einfühlsames und deswegen nicht minder spannendes Buch, dass durchaus empfehlenswert ist.

Punkte: 8 von 10


Bei Amazon.de bestellen


Hermine  [4.2.10]